Löffinger Gemeinderat verbietet Glyphosat im städtischen Gewächshaus

01.11.2017

Löffinger Gemeinderat verbietet Glyphosat im städtischen Gewächshaus

Von unserem Lokalreporter

LÖFFINGEN.  Hoch her ging es bei der jüngsten Dringlichkeitssitzung des Löffinger Gemeinderats.
Anlass war die aktuelle europaweite Diskussion über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat.
Löffingen als Stadt von überregionaler Bedeutung müsse sich zu diesem Thema eindeutig positionieren, eröffnete Bürgermeister Tobias Link die Sitzung. Glyphosat sei als krebserregend und erbgutverändernd eingestuft und habe in einer umweltbewussten Stadt wie Löffingen nix verloren.
Sowohl sein Vorgänger Norbert Brugger als auch Stadttomatenmeister Rosenstiel nahmen an der Sitzung teil.

Stadtrat Bernd Max Behnke erinnerte seine Ratskollegen daran, dass man seinerzeit wegen gesundheitlicher Aspekte dem Anbau von Tomaten im städtischen Gewächshaus einstimmig und in nichtöffentlicher Sitzung zugestimmt habe.
Es mache keinen Sinn, jahrelang Berge von Tomaten zu fressen, um nicht an Arteriosklerose und Herzerkrankungen zu erkranken, und dann an vom Glyphosat erzeugten Krebs zu verrecken.

Stadttomatenmeister Rosenstiel entgegnete, der Krebs gehe ihm voll am Sack vorbei. Sorgen bereite ihm vielmehr die erbgutverändernde Wirkung des Glyphosats. Dies könne im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen an Löffinger Amtsträgern fatale Folgen haben. Für die herausfordernde Tätigkeit sowohl im Stadttomatenamt und im Rathaus allgemein, als auch im Löffinger Gemeinderat seien nur Personen mit einer ganz speziellen genetischen Disposition geeignet.

Stadtrat Bächle sprach sich gegen einen weiteren Anbau von Tomaten im städtischen Gewächshaus aus. Es sei zwar richtig, dass Tomaten nur 18 Kalorien pro 100g enthalten, aber eine Gewichtsreduzierung von Löffinger Gemeinderäten liesse sich effektiver erreichen, wenn sie sich mehr bewegen und mit dem Saufen aufhören würden.

Alt-Bürgermeister Norbert Brugger wies darauf hin, dass die städtische Tomate für alle im Rathaus oder Gemeinderat Beheimateten ein Stück Brauchtum und Identität darstelle. Die Tomate sei ein deutsch-kommunales Kulturgut. Ein Verzicht auf Tomaten wegen deren Verseuchung mit Glyphosat wäre nicht hinzunehmen. Ein Roter brauche seine Tomaten, so wie ein Brauner seine Kartoffeln. Er habe nicht vor, wegen Glyphosat auf Papayas und Kiwis umzusteigen. Er sei Sozialdemokrat und nicht zuletzt wegen den städtischen Tomaten schlage sein Herz noch immer einwandfrei links. Deshalb habe das Schutzgut „Löffinger Administrant“ Vorrang vor den finanziellen Interessen von Monsanto und der chemischen Industrie.

Daraufhin warf ein Sitzungsteilnehmer Brugger Rechtspopulismus vor. Man könne nicht 16 Jahre lang 160-fache Grenzwertüberschreitungen von Arsen und Quecksilber tolerieren und jetzt auf einmal so ein Geschiss um Glyphosat machen. Genausowenig könne man mit dem Geld der Bürger ein Gewächshaus für Tomaten bauen und dann die Tomaten vom Unkraut und den Ratten auffressen lassen. Er ermahnte die Verwaltung dringend, sämtliche tomatenerhaltenden Massnahmen zu ergreifen, um einer weiteren Verschwendung vorzubeugen.

Ein innovativer und konstruktiver Vorschlag kam während der Bürgerfrageviertelstunde auf den Tisch.
Ein Bürger teilte den Versammelten mit, dass Glyphosat nicht zwangsläufig versprüht werden müsse, um seine pflanzenschützende und menschenschädigende Wirkung entfalten zu können. Die Einbringung ins städtische Gewächshaus könne auch als wässrige Lösung erfolgen. Dazu regte er an, dass die Abonnenten bei der Tomatenübergabe ein weiteres kleines Geschäft an die Tomatenstauden verrichten.

Im weiteren schlug er vor, analog zur neuen Uni-Sex-Toilette im Löffinger Rathaus das städtische Gewächshaus im Benz-Gelände als Uni-Sex-Gewächshaus auszuweisen. Die Bedürfnisse für das Bedürfnis der zahlreichen Bi-, Trans-, Homo- und sonstigen Sexuellen in der Löffinger Administration und im Gemeinderat könnten so berücksichtigt werden. Er wies zudem auf den düngenden Effekt des Urinierens hin. Wer nimmt, der müsse auch geben. Wo sonst bestehe die Möglichkeit, zeitgleich sein Gewissen und seine Blase zu erleichtern ?

Diese Stellungnahme rief erneut den städtischen Tomatenmeister auf den Plan. Jeder, der an seine Tomaten seiche, werde den Advocaten Behnke L.M.A.A. kennenlernen. Ausserdem verwahrte sich Rosenstiel vehement dagegen, dass die städtischen Tomaten mit Arsen und Quecksilber verseucht seien. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gesundheitsgefährdung für die Abnehmer bestanden. Man habe im kompletten, für das Gewächshaus vorgesehenen Bereich hinter der unsäglichen Lagerhalle den Mutterboden ausgetauscht und neuen unbelasteten Humus kommen lassen.

Die verbleibende kontaminierte Fläche habe man mit einer dicken Schicht aus rotem Mineralbeton bedeckt, auch den freien Platz vor dem Gewächshaus, der für die Anzucht von Jungpflanzen vorgesehen ist.

Diesen Platz habe man benötigt, weil sich ja im Gewächshaus die städtischen Tomaten befinden.

Zusätzlich habe man noch eine spezielle schwarze Folie auf den roten Mineralbeton gelegt

Damit sei sichergestellt, dass weder der Stadtgärtner noch die Jungpflanzen in Kontakt mit Arsen, Quecksilber und PAK geraten können

Bürgermeister Tobias Link dankte dem Stadttomatenmeister ausdrücklich für seine umsichtige Vorgehensweise. Sollte sich herausstellen, dass der Ertrag an städtischen Tomaten wegen des Verzichts auf Glyphosat zurück geht, werde man den Rückgang durch Erweiterung der Anbaufläche kompensieren. Link teilte dem Gremium mit, dass die Stadt eine Räumungsklage gegen die unsägliche Lagerhalle betreibt. Es sei angedacht, nach deren Verschwinden an dieser Stelle eine städtische Ketchup-Fabrik zu errichten.

Es meldete sich in der Sitzung noch eine Stimme zu Wort und sagte, soweit ihr, der Stimme bekannt sei, wäre die Fläche hinter den beiden grossen hölzernen Kabeltrommeln, auf der sich die unsägliche Lagerhalle befindet, seit Jahrzehnten vermietet, und es würde sie jetzt mal interessieren, ob die Stadt Löffingen damals ihrer Fürsorgepflicht gegenüber einem Bürger und Mieter nachgekommen sei und auch dort das Erdreich durch Mineralbeton und Schutzfolie ersetzt habe.

Der angesprochene Stadttomatenmeister Rosenstiel erwiderte, dass sei ihm scheissegal, zu seinem Aufgabenbereich gehöre nur, dass die städtischen Jungpflanzen und die Tomatenkonsumenten vor Gesundheitsgefährdung geschützt sind. Diesem Auftrag sei er vorbildlich nachgekommen. Ausserdem sei ihm eine Kontaminierung von städtischen Flächen nicht bekannt. Er forderte den Gemeinderat eindrücklich auf, einstimmig für ein Verbot von Glyphosat und für ein Verbot einer ganz speziellen Internetseite zu stimmen, damit ihm der Genuss der städtischen Tomaten nicht gänzlich verdorben werde.

Diesem Aufruf schloss sich Stadtrat Behnke L.M.A.A. an. Zugleich ermahnte er die Stimme, es nicht zu weit zu treiben, und stellte ihr eine Strafanzeige wegen Hochverrat in Aussicht. Bürgermeister Tobias Link verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, es werde der Stadt Löffingen gelingen, durch ein Verbot von Glyphosat im städtischen Gewächshaus ihren Ruf als liebenswertes Städtchen der Gesundheit und Menschlichkeit zu stärken. Der Bürger werde für einen Verzicht von Chemie auch den Verlust von ein paar Tomaten verkraften.

Es gebe schliesslich Schlimmeres als ein paar Ratten, die ein paar Tomaten fressen …

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