Gerichtskunde in Leichter Sprache

07.07.2018

Gerichtskunde in Leichter Sprache

Quelle

 

Hallo Leser !

Du bist auf der Interner-Seite „Löffingen-macht-platt“.

Heute findest du an dieser Stelle Informationen in Leichter Sprache.

Deshalb ist die Schrift auch grösser als sonst.

Ich hoffe, du kannst mich nach diesem Text in Leichter Sprache besser verstehen.

Es geht um Gerichtskunde.

Gerichtskunde beschäftigt sich mit Gerichten und Richtern.

Es kann schnell passieren, dass auch du mal zum Gericht musst.

Weil die Stadt deine Stellplätze braucht oder dein Geld.

Oder weil du eine Stromrechnung bezahlen sollst, obwohl du gar keinen Stromanschluss mehr hast.

Das nennt man dann Zivilverfahren.

Bei einem Zivilverfahren wirst du nicht bestraft.

Bestraft wirst du nur, wenn du böse warst und Gesetze übertreten hast.

Dein Gesetzgeber hat dir nämlich Gesetze gegeben, damit du dich dran hältst.

So wie dir dein Arbeitgeber Arbeit gegeben hat, damit du sie machst.

Dein Gesetzgeber muss sich nicht unbedingt selber an Gesetze halten, so wie dein Arbeitgeber nicht unbedingt selber arbeiten muss, denn dafür hat er ja dich.

Dein Gesetzgeber hat auch Arbeitnehmer, die die Arbeit für ihn machen.

Die nennt man Juristen.

Es sind die Richter, die Staatsanwälte und die Rechtsanwälte.

Du bezahlst ihre Arbeit mit dem Geld, das du für deine Arbeit bekommen hast.

Mit den Rechtsanwälten rechnest du direkt ab, die Richter und Staatsanwälte bezahlst du mit deinen Steuern und deinen Geldstrafen.

Das ganze System nennt man Rechtsstaat.

Die Rechtsanwälte sind eigentlich keine Arbeitnehmer des Gesetzgebers.

Aber sie gehören mit zu dem System dazu.

Der Rechtsstaat hat sie sozusagen als Filter eingebaut.

Er braucht einen Filter zwischen ihm und dir, denn wenn du dich selber mit der Materie beschäftigst, würdest du zu viel vom System mitbekommen.

Wer zu viel mitbekommt, kommt schnell auf dumme Gedanken und stellt schnell dumme Fragen.

Ausserdem bist du ein Mongoianer und deshalb auf einen Experten angewiesen.

Im Umgang mit Krankheit brauchst du einen Arzt, im Umgang mit dem Finanzamt einen Steuerberater, und im Umgang mit dem Gericht brauchst du einen Anwalt.

Das System würde dir sogar einen Anwalt bezahlen, wenn du kein Geld hast, nur damit ein Filter zwischen ihm und dir ist.

Aber es ist keine Frage des Geldes, es ist eine Frage der Ehre.

Wer dauernd über das System schimpft, sollte sich dann auch nicht einen Anwalt von ihm bezahlen lassen.

Lieber ohne Anwalt auf die Schnauze fliegen und blechen als mit Anwalt auf die Schnauze fliegen und doppelt blechen.

Das gilt zumindest für so mickrige Streitwerte wie bei „Löffingen-macht-platt“.

Du nimmst ja auch nicht deinen Flirt-Coach zu deinem date mit.

Mit dem Flirt-Coach nebendran ist dein date keine wirklich prickelnde Veranstaltung.

Eine Gerichtsverhandlung ist dagegen eine total prickelnde Veranstaltung.

Du weisst vorher nicht, was auf dich zukommt.

Wenn du Glück hast, kommt eine junge hübsche kompetente Richterin, aber du kannst nicht immer Glück haben.

Wenn du Pech hast, kommen die Zeugen nicht, weil sie vom Gericht nicht geladen wurden.

Dann waren es Zeugen ohne Bedeutung.

Der Richter entscheidet, wer ein Zeuge mit Bedeutung und wer ein Zeuge ohne Bedeutung ist.

Ein Zeuge mit Bedeutung untermauert das Urteil und ein Zeuge ohne Bedeutung macht nur unnötige Arbeit.

Ein Polizist, der aussagt, dass du vor ihm nix ausgesagt hast, ist ein Zeuge von Bedeutung.

Ein Professor, dem du Demenz unterstellt hast, ist ein Zeuge ohne Bedeutung.

Es könnte sich nämlich bei der Gerichtsverhandlung herausstellen, dass er tatsächlich etwas wirr im Kopf ist.

Der Polizist kommt in Uniform und mit Polizeimütze zur Gerichtsverhandlung.

Als du bei der Polizei vorgeladen warst, machte er seine Arbeit in Hemd und Jeans.

Sie verkleiden sich, um dir ein Theaterstück vorzuspielen.

Der Richter, der Staatsanwalt und manchmal auch der Protokollführer ziehen sich lange schwarze Mäntel an.

Das soll dich einschüchtern.

Aber es soll ja prickeln und du willst schliesslich auch mal was anderes sehen als Bäume und Bretter.

Das Urteil steht bereits vor der Gerichtsverhandlung fest.

Das prickelnde ist, wie der Richter das Urteil begründet.

Du musst auch alles begründen, was du dem Richter vorträgst.

Dabei kann es allerdings passieren, dass dein Vortrag unbegründet war.

Dein Vortrag ist entweder unbegründet, unzulässig oder nicht substantiiert.

Nicht substantiiert heisst, dass keine Substanz da ist.

Was Substanz ist und wieviel es davon braucht, entscheidet allein -du ahnst es bereits- der Richter.

Ein Richter muss auch nicht begründen, warum dein Vortrag unbegründet ist.

Mathematik ist Logik mit Zahlen und Juristerei ist Logik mit Worten.

In der Mathematik werden aus zwei negativen Vorzeichen ein positives.

Logischerweise hast du deshalb mit einem Vortrag, der unbegründet unbegründet ist, den Nagel auf den Kopf getroffen.

Aber es ist nicht deine Aufgabe, bei einer Gerichtsverhandlung den Nagel auf den Kopf zu treffen.

Deine Aufgabe ist es, die Experten nicht bei ihrer Arbeit zu stören.

Deshalb steht hinterher im Urteil nicht, was du gesagt hast.

Es steht nur drin, dass es unbegründet, unzulässig oder unsubstantiiert war.

Damit wird verhindert, dass die Experten in der nächsten Instanz unnötige Arbeit haben.

Jetzt hast du einen groben Überblick über Gerichtskunde.

Du siehst: Prozessieren ist was für echte Männer ohne Nerven.

Momentan habe ich nicht die Zeit, um die ganzen Aktenberge einzuscannen.

Aber eines Tages wirst du hier alles lesen können, einschliesslich der noch laufenden Strafanzeigen und Berufungsverfahren.

Wenn du nicht so lange warten willst, habe ich den ultimativen Vorschlag für dich :

Schreib einen Kommentar, wer deiner Meinung nach ein Arschloch ist.

Ich werde den Kommentar freischalten oder ausdrucken und ans Gericht schicken.

Du brauchst keinen Namen nennen.

Eine Berufsbezeichnung reicht völlig aus.

Der Richter ist verständig genug, um zu wissen, wen du gemeint hast.

Du wirst sehen :

Schon bald bist du mitten drin statt nur dabei …

 

 

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