Unser Demenzdorf soll schöner werden

04.08.2017

Unser Demenzdorf soll schöner werden

Schon in der Bibel steht geschrieben :    Wer hat, dem wird gegeben

Sie hätten auch schreiben können :    Wo schon viele sind, kommen noch mehr dazu

So gesehen ist es nicht nur logisch und konsequent, sondern fast schon göttliche Fügung, dass eine Dortmunder Investorin in Löffingen ein Demenzdorf errichten möchte. Sie wird erkannt haben, dass sich nirgendwo sonst ein Demenzdorf harmonischer einfügen würde als in Löffingen. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört, -würde Willy Brandt sagen-, und ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass die Demenz in Löffingen eines Tages biblische Ausmaße erreichen wird …

Aber ich glaube nicht, dass es in Löffingen Integrationsprobleme geben wird zwischen denen, die schon länger dement sind, und denen, die neu hinzu kommen werden. Die Humanität gebietet es jedoch, auch an diejenigen zu denken, die zum Denken nicht mehr fähig sind. Es ist unser aller Verantwortung, jedem Dementen sein im Grundgesetz verankertes Recht auf freie Entfaltung seiner dementen Persönlichkeit zu gewähren. Wir sind angehalten, alles Erdenkliche zu unternehmen, damit er ein möglichst schönes Umfeld vorfindet.

Dieser Verpflichtung möchte ich heute nachkommen und dazu ein paar Vorschläge machen, wie ein Demenzdorf schöner werden könnte. Wenn diese Vorschläge umgesetzt sind, steht einer Bewerbung im Wettbewerb „Unser Demenzdorf soll schöner werden“ nix mehr im Wege. Für ein Demenzdorf ist es das schönste, die Auszeichnung als Landessieger, Bundessieger oder gar Europasieger zu erhalten, so wie es für einen Dementen das schönste ist, die Staufermedaillie zu erhalten …

Es kann zwar so sein, dass eine demente Stadtverwaltung, die vor Gericht zieht, um für einen winzigen Teil einer verseuchten Fläche nochmal 1000 € Pacht zu kassieren, am Ende auch 1000 € bekommt. Es kann aber auch so sein, dass das Umweltministerium aufgrund der Informationen, die die demente Stadtverwaltung dem Gericht vorlegen musste, Maßnahmen zur Sanierung der gesamten verseuchten Fläche anordnet, die die städtischen Schulden locker verdoppeln können. Aber so ist das Leben und so geht Demenz …

Man sollte aber besonders im Hinblick auf die nachfolgenden dementen Generationen nicht an der falschen Stelle sparen wollen. Ein Demenzdorf, dass ohne Murren die Zinsen für 20 Mio. € aufbringt, wird auch ohne zu Murren die Zinsen für 40 Mio. € aufbringen. Von Tilgung redet sowieso keiner …

Meine Vorschläge für ein schöneres Demenzdorf sind alle kostenoptimiert. Es braucht nur ein wenig Fantasie und Farbe, um das graue und triste Umfeld so mancher grauen Zellen zu reanimieren :

Zuerst müsste man alle grauen Mauern in Löffingen verschönern :

Der Volksmund sagt zwar :  Nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände … aber das gilt nur für Grafitti-Sprayer, nicht für therapeutische Maßnahmen.
Der Erkrankte erhält gleich bei der Einfahrt in die Stadt einen optischen Impuls, der seine grauen Zellen an die Zeit erinnert, in der sie noch aktiv waren. Wenn er von Bambi, Schweinchen Dick und Heidi begrüsst wird, vermittelt ihm das die Botschaft, dass er hier Freund unter Freunden ist. Hier ist Heimat, hier gehört er hin, hier darf er sein wie er ist , hier regt sich keiner drüber auf, wenn sich der Alm-Oehi von einer Ziege lecken lässt ..

Man müsste auch die Klagemauer in der Kesselstrasse verschönern :

Mit so einem Bild könnten dem Betrachter die technischen Grundlagen, die zum Betrieb eines Demenzdorfes nötig sind, vor Augen geführt werden.

Es wird ohne jeden Sinn und Zweck mitten auf der grünen Wiese gebaggert. Sinn und Zweck braucht es auch gar nicht, denn die Prozente werden pro Baggerstunde abgerechnet. Der Stadtgärtner fährt die Pflanzen nicht mit einem Lieferwagen zum Einpflanzort und parkt ihn dann so, dass er den (Kreis)verkehr behindert nur damit jeder sieht und merkt, dass er immernoch oder schon wieder am Arbeiten ist. Nein, so was würde er niemals machen. Er fährt die Pflanzen immer mit dem Schubkarren hin ..

Stadtarbeiter sind fröhliche Gesellen, die gerne mal während der Arbeitszeit einen Schneemann bauen. Immerhin haben sie vorher rechts- und ordnungskonform das Schild „Achtung Bauarbeiten !“ und eine rot-weisse Warnbake aufgestellt. Sie beginnen immer bei dem mit schaufeln, der ihnen am meisten zusteckt. Auch decken sie gerne ihren privaten Bedarf an Brettern und Steinen, wenn der Stadtbaumeister eine Fundstelle zur Plünderung freigibt.

Bauunternehmer empfinden es als schön, wenn eine historische Baumaschine vor ihrem Betriebsgelände steht. Es soll auch zeigen, dass es die Baufirma schon so lange gibt, dass sie schon mit so einem uralten Ding geschafft haben. Jetzt gab es die Firma Schwarzwaldbau des Löffinger Stadtbaumeister Rosenstiel aber nur ziemlich kurz. Trotz dieser Tatsache und obwohl er nun Angestellter und kein Unternehmer mehr ist, könnte man doch mit Geld aus der Stadtkasse eine historische Baumaschine für die Imagepflege des Löffinger Stadtbaumeisters kaufen und sie vor dem neuen Bauhof aufstellen. Miete bräuchte er für den Stellplatz auch nicht bezahlen. Eine Walze hat noch niemanden gestört. Wer würde denn so kleinlich sein, wenn es um die Genesung von Kranken geht …

Was dem Stadtbaumeister vor dem Bauhof recht ist, ist dem Bürgermeister vor dem Rathaus billig …

Auch er bräuchte einen Trigger, der ihn bei jedem Anschauen an bessere Zeiten erinnert. Das Präsentieren eines aussergewöhnlichen Fahrzeugs kann das angeknackste Selbstwertgefühl besonders von dementen Männern enorm stabilisieren :

Eine solche Bobby-Car Plastik-Plastik ist günstig in der Anschaffung und könnte alle Dementen im und um das Löffinger Rathaus herum an die schönen Momente erinnern, als sie sogar noch beide Füsse auf den Boden brachten und aus eigenem Antrieb vorwärts kamen …

Es wäre auch mal an der Zeit, die ganzen verrosteten Blechfiguren von den Brunnen runterzuholen. Mit so einem Schrott lässt sich bei einem Schönheitswettbewerb kein Blumentopf gewinnen. Da muss was Farbiges und Poppiges rauf, was einen Bezug zur Gegenwart hat :

Bei einem Demenzwettbewerb lässt sich nicht mal mit Blumentöpfen ein Blumentopf gewinnen. Da muss schon was Extraordinäres her. Man müsste die Blumen noch mehr als in Töpfen konzentrieren. In Lagen. In Blumenkonzentrationslagen. Übereinander. Etwa so :

Durch ein solches Artefakt würden zwei weitere Parkplätze im Zentrum wegfallen, was verhindern könnte, das zuviele Normalos zum Einkaufen in das Demenzdorf kommen und die Ruhe der Dementen stören. Man müsste die Aktion in Kombination mit einer Tempo 30 – Zone rund um das Rathaus aus Lärmschutzgründen durchführen, um eine Verschönerung der Arbeitssituation der Schwerkranken im Rathaus zu erreichen. Mit so einem Blumenpimmel könnte man auf wenigen m² mehr Kosten ( = Umsatz =Subventionsbedarf ) generieren als ein normales Dorf mit einem ganzen Sportstadion ..

Aber alle Verschönerungsmaßnahmen sind nutzlos, wenn die Menschheit sie gar nicht mitbekommt. Deshalb muss verhindert werden, dass Alle und Jeder einfach so an Löffingen vorbei brettert, ohne der Schönheiten gewahr zu werden, die es in seinem Innern birgt. Man muss die Menschen oben an der B31 abholen. Woher sollen sie denn wissen, dass sich in Löffingen nicht nur die grösste Raubtiergruppe Europas befindet, sondern auch noch die grösste europäische Gruppe dementer Administranten ?

Hier würde ein Werbeschild Abhilfe schaffen, das – wie könnte es anders sein – natürlich das grösste Werbeschild Europas sein müsste :

Nach der Umsetzung dieser Optimierungsmaßnahmen steht der Auszeichnung zum dementesten Dorf Europas eigentlich nix mehr im Weg. Dann ist wieder ein Fest im Sinne Goethes fällig. Und eine pfundige Feuerwehrparade. Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Führerin, deren Gesäß zu gross ist, um ihm beizuwohnen, extra aus Berlin anreisen wird, um diesem Fest und dieser Parade beizuwohnen …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.