Das Administranten-Reservat Löffingen

27.07.2017

Das Administranten-Reservat Löffingen

Nun ist es endlich offiziell : Der WWF ( World Wildlife Fund ) hat die gesamte Gemarkung Löffingen als besondere Schutzzone ausgewiesen. Schutzgut ist die weltweit letzte und einzige Population des „Administrantus tomatistanus“ mit all seinen Ab- und Unterarten. Experten des WWF gehen davon aus, dass der Bestand derzeit zwei bis drei Dutzend Individuen beträgt. Von manchen Abarten existieren allerdings nur noch Einzelexemplare …

Deshalb bestand aus Sicht des WWF akuter Handlungsbedarf. Die Grösse des neu errichteten Administranten – Reservat beträgt ca. 5000 Hektar. Eine Umzäunung ist angedacht, damit das Schutzgut in Zukunft vor unnötigen Störungen verschont bleibt.
Die Amtssprache des WWF in Englisch, und daher wird das neue Administrantenreservat im internationalen Verzeichnis des WWF als „Tomatistan Reservation“ unter der Reg.-Nr. : DE 08/14 geführt :

Die Ausweisung des neuen Schutzgebietes für Administranten ist mit einer einmaligen finanziellen Zuwendung des WWF in Höhe von 5 Mio. € an die Stadt Löffingen verbunden.

Wenn einem soviel Gutes widerfährt, das ist natürlich einen Festakt wert …

Und so traf sich das Who-is-Who der Löffinger Ober- und Unterwelt in der Festhalle, um fest zu akten.
Als Ehrengäste waren die Landrätin, die Regierungspräsidentin, der Erzbischof und der Generalstaatsanwalt geladen.
Bürgermeister Tobias Link eröffnete die Versammlung mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Natürlich sei es erfreulich, 5 Mio. € in den Arsch gesteckt zu bekommen, aber man habe sich deutlich mehr erhofft. Angesichts der immensen Schulden der Stadt Löffingen wären 5 Mio. € nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein. Immerhin könne man mit dem Geld die Zinsen für die nächten 5 Jahre bezahlen.

Link dankte allen Löffinger Bürgern dafür, dass sie mit ihren Steuern und Abgaben den Aufbau der üppigen und justizresistenten Administrantenpopulation ermöglicht haben. Er mahnte alle Bürger, jetzt in den guten Zeiten genügend Geld zurück zu legen, damit die Stadt in schlechten Zeiten etwas zum Abschöpfen habe ..

Dann stellte der Bürgermeister, dessen Name Programm ist, das Programm für das Administranten-Reservat vor. Es habe sich nicht vermeiden lassen, dass es für die Löffinger Bürger zu leichten Einschränkungen kommen kann. Dies sei aber für das Überleben der Art „Administrantus tomatistanis“ von grosser Bedeutung.
Deshalb ist es ab sofort im gesamten Schutzgebiet verboten, die vorgegebenen Denkpfade zu verlassen.
Verboten ist auch, mitgebrachte Tomaten aus dem Supermarkt an freilaufende Administranten zu verfüttern.
Ihre empfindlichen Mägen vertragen nur die Bio-Tomaten aus dem städtischen Gewächshaus.

Ausserdem ist es strengstens untersagt, Steine auf Administranten zu werfen, ihnen die Haare auszureissen oder sie über offenem Feuer zu grillen. Kritiker, Oppositionelle, Freidenker und Querulanten sind im ganzen Reservat an der ganz kurzen Leine zu führen. Den Anordnungen der Anordnenden ist Folge zu leisten. Jede Zuwiderhandlung wird umgehend zur Anzeige gebracht. Es drohen Bußgelder in fünfstelliger Höhe sowie ein Eintrag in die Akten des Ministeriums für Stadtsicherheit.

 

Die Landrätin wies in ihrem Grusswort darauf hin, dass das Administranten-Reservat Löffingen absolut kostenneutral für den Landkreis ist. Im All-Inclusive-Paket des WWF wären auch ein internationales Team mit qualifizierten Aufsehern und ein geländegängiges Fahrzeug mit dabei, was Observation und Schutz aller Administranten rund um die Uhr garantieren würde.

Die Ritterin von der traurigen Gestalt sagte, jetzt müsse endlich Schluss sein mit den negativen Schlagzeilen.
Nur wenn alle zusammen mit den Administranten am einem Strang ziehen, werde es gelingen können, den Karren noch weiter in den Dreck zu kriegen. Mit dem Administranten-Reservat habe man die einmalige Gelegenheit, sich der ganzen Welt als etwas Einmaliges zu präsentieren. Sie regte an, nochmal über das Fotografierverbot von Administranten nachzudenken. Ein solches Verbot sei eine Abschreckung von chinesischen Bustouristen, die ja auch den einen oder anderen Euro in die Stadt bringen könnten …

Die Regierungspräsidentin zeigte in ihrer Ansprache Verständnis für die Sorgen und Nöte der Bürger. Sie zog eine Paralelle zur aktuellen Diskussion um das Wiederauftauchen des Wolfes. Als Schäferin wisse sie genau, dass man ab und zu mal ein Schäfchen opfern müsse, um dem Wolf oder dem Administrantus tomatistanus eine artgerechte und erfreuliche Lebensweise zu ermöglichen. Sie riet den Bürgern, stets umsichtig und vorausschauend zu handeln.

Jeder sollte immer in der einen Tasche ein grosses Stück Wurst mit dabei haben, falls es mal bei einer Begegnung mit einem Wolf zu Unstimmigkeiten kommt. Mit einem grossen Stück Wurst lasse sich jede Unstimmigkeit mit einem Wolf bereinigen. Deshalb sollte auch jeder in der anderen Tasche immer ein paar Bio-Tomaten oder ein paar hundert Euro dabei haben, falls es mal bei einer Begegnung mit einem  Administranten zu Unstimmigkeiten kommt …

Die Regierungspräsidentin betonte, ein Administranten-Reservat werde genau so wie eine KZ-Gedenkstätte nicht zur Erbauung der Bevölkerung errichtet, sondern zu deren Erinnerung. Eine KZ-Gedenkstätte sei dazu da, um die Bevölkerung daran zu erinnern, was einmal in Deutschland möglich war, und das Administranten-Reservat Löffingen sei dazu da, um die Bevölkerung daran zu erinnern, was derzeit in Deutschland möglich ist …

Der Erzbischof sagte in seiner Predigt, der Herrgott werde sich schon was dabei gedacht haben, als er die Administranten erschaffen hat. Deshalb sei jede Kritik an einem Administranten automatisch Kritik am Herrgott und somit Blasphemie. Es habe aber jedes seiner Schäfchen die freie Wahl, ob er ewig im Feuer der Hölle schmoren will oder nicht doch lieber bereut und in Zukunft regelmässig zur Beichte im Rathaus erscheint …

Diesen Faden griff der Generalstaatsanwalt in seiner mündlich vorgetragenen Verfügung auf. Er sei ganz auf der Seite des Erzbischofs, möchte aber noch ergänzen, dass alle Unbelehrbaren und Uneinsichtigen nicht nur im Feuer der Hölle schmoren werden, sondern bereits vorher im Gefängnis. Jedenfalls wenn er dazu eine Notwendigkeit erkennen kann, was sich nicht unbedigt anhand von Gesetzestexten herleiten lassen muss. Natürlich sei es denkbar, dass vor einem Strafrichter alle gleich sind, aber es müsse jemand ja erst mal vor einen Strafrichter kommen, was zu entscheiden der Herrgott ihm überlassen habe ..

Und natürlich sei es denkbar, dass ein Staatsanwalt einen Stadtbaumeister mal richtig in den Arsch fickt, aber genau so sei es denkbar, dass ein Stadtbaumeister einem Staatsanwalt eine Abrissverfügung für seine Villa zukommen lässt. Das eine wie das andere wäre einem friedlichen und konstruktiven Miteinander in einem Administranten-Reservat abträglich. Ausserdem müssten zuerst einmal alle Rentner, die verschimmelte Salami aus einem Abfallcontainer stehlen, abgeurteilt werden, bevor man überhaupt die Zeit habe, sich um Arsen und Quecksilber kümmern zu können. Im übrigen müsse man auch mal die Kirche im Dorf und Administranten im Rathaus lassen können.

 

Er habe aber eine frohe Botschaft an alle Gerechtigkeitsfanatiker und Wahrheitsfetischisten :
Auf der Einladung zum Festakt sei was von Tomatensalat und Tomatensaft gestanden, weshalb er in wenigen Sekunden Ermittlungen aufnehmen werde, wo in der Festhalle sich denn das kalte Buffet befindet …

Und so ging auch dieser Festakt wie alle anderen Festakte zuvor nahtlos in den gemütlichen Teil über.

Mitten hinein in die Feierlichkeiten platzte eine weitere erfreuliche Nachricht :

Lange Zeit waren die Forscher und der WWF in grosser Sorge um den Fortbestand einer ganz besonderen Abart des Administrantus tomatistanus, von der nur ein einziges Exemlpar existiert, nämlich den Administrantus tomatistanus Rosenstielus.
Nun haben aber Biologen der Universität Freiburg bei einer Forschungsreise im Grossraum Berlin-Uckermark ein passendes Weibchen einer ähnlichen Abart aufgespürt :

Sollte das Einfangen gelingen, könnte das Exemplar nach Löffingen überführt und im dortigen Administranten-Reservat ausgewildert werden.

Falls das Exemplar einen Paarungsversuch zulässt, hat die Landrätin bereits angekündigt, für alle Nachkommen dieser Verbindung eine persönliche Patenschaft zu übernehmen …

 

 

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